Rostocker HC – Berliner TSC 19:16 (5:10)

Rostock Die Damen des Rostocker HC haben ihr letztes Spiel vor der Weihnachtspause gewonnen. Am frühen Samstagabend gewann die Mannschaft von Trainerin Ute Lemmel mit 19:16 (5:10) gegen den Berliner TSC. Mit 6 Siegen, 5 Niederlagen und somit 12:10 Punkten geht man in die Feiertage.

Das Spiel gegen den Aufsteiger aus Berlin war vielleicht nichts für Feinschmecker, doch für alle Freunde des Abwehrverhaltens hatte die Begegnung einiges zu bieten. Dabei war der Berliner TSC über weite Strecken der ersten Halbzeit das giftigere Team. Der Rostocker HC ließ sich von der kampfbetonten Berliner Abwehrarbeit sichtlich beeindrucken: Das Positionsspiel wirkte oft statisch, dazu gesellten sich eine Menge Fehler. Die Gäste hatten ihre Hausaufgaben gemacht und verhinderten immer wieder das Zusammenspiel zwischen Lara Brezenci und Liza Johannisson, das in der Vorwoche so gut funktioniert hatte. Wenn der Angriffsmotor stottert, dann müssen die einfachen Tore per Gegenstoß helfen. Das gestaltete sich an diesem Abend wiederholt schwierig. Beste Möglichkeiten wurden reihenweise vergeben. Berlins Schlussfrau Sarah Hübner konnte sich mehrmals sehenswert auszeichnen (4., 8., 13.) und hatte auch das Glück der Tüchtigen, als Frances Krügers Wurf nur an den Pfosten knallte (16.). Glücklicherweise hatte auch RHC- Torhüterin Sara Peters einen guten Tag erwischt. Der Berliner TSC war zwar um Variabilität bemüht, schloss aber immer wieder über den Rückraum ab, wobei sich Peters hier mehrfach auszeichnen konnte. Dass man gegen die großgewachsene Keeperin nicht unbedingt einen Heber probieren sollte, lernte Kristina Fodjo in der 18. Minute. Nur zwei Minuten später blieb Rostocks Torwart gegen Antonia Mattheus Siegerin und guckte anschließend einen Konter von Kristina Fodjo an den Pfosten (21.). So konnten die Gastgeberinnen froh sein, trotz ihrer miserablen Wurfausbeute nur mit 5 Toren Rückstand in die Pause zu gehen.

Mit dem Wiederanpfiff war ein kurzes Aufbäumen des RHC spürbar. Lara Brezenci und Antonia Fränk nutzten eine Überzahlsituation und verkürzten auf 7:10 (32./ 34.). Doch die große Aufholjagd ließ (noch) auf sich warten. Weiterhin war das Rostocker Spiel fehlerbehaftet und abschlussschwach. Liza Johannisson musste für zwei Minuten auf die Bank (39.), und der Berliner TSC stellte auf 7:14 (40.). All den Unzulänglichkeiten auf heimischer Seite zum Trotz- Kampfeswillen und Moral konnte man den Dolphins nicht absprechen. In den folgenden Minuten rührte man in der Abwehr sprichwörtlich Beton an. Kapitänin Nicole Rotfuß provozierte auf der linken Abwehrseite mehrere Berliner Fehler und brachte ihre Mannschaft ins Umschaltspiel, das nach den anfänglichen Problemen immer besser wurde. Den Gästen aus der Hauptstadt bereitete das Angriffsspiel zunehmend Kopfzerbrechen. Zwölf Minuten wollte der Mannschaft von Trainerin Stefanie de Beer offensiv gar nichts gelingen, schluckte ein ums andere Mal Konter und sah die Führung dahinschmelzen. Nicole Rotfuß markierte einen Hattrick (48./ 49./ 50.) und den Ausgleich für ihr Team- 14:14. War man auf Rostocker Seite nach der gelungenen Aufholjagd moralisch obenauf, so waren bei den Gästen aufkommende Zweifel zu erkennen. War man mit einigen Pfiffen der Schiedsrichter (HVSH) nicht einverstanden, ließ man im Angriff auch einfach zu viel liegen. Noch einmal konnte der TSC durch Laurine Arndt in Führung gehen (52.), doch das sollte es mit der Berliner Herrlichkeit gewesen sein. Lara Brezenci glich erneut aus (55.) und Aenna Schult traf zur ersten Rostocker Führung der Partie (56.). Zuvor hatte Sara Peters mit einem großartigen Reflex gegen Melanie Wüstner ihre Mannschaft im Spiel gehalten und konnte das Kunststück in der 59. Minute gegen Antonia Mattheus wiederholen.

Eine gute Abwehr mit einer starken Torhüterin plus einer verbesserten Wurfausbeute im Umkehrspiel- das waren die entscheidenden Faktoren, die letztendlich zum fünften Heimsieg der Rostock Dolphins führten. Doch da ist auch noch die Trainerin zu nennen. Ute Lemmel legte knapp eine Minute vor dem Ende ihre Timeout- Karte auf den Zeitnehmertisch. Parallel machte Martina Ćorković einen technischen Fehler und gab den Ball nicht schnell genug frei. Doch anstatt den Ball zu verlieren und eine Strafzeit zu kassieren, hatte Rostocks Coach die Auszeit genommen. Mit Wiederanpfiff dankte es die Spielmacherin ihrer Trainerin mit dem 18:15 und der Vorentscheidung. Lara Brezenci machte vier Sekunden vor dem Ende mit ihrem dritten verwandelten Siebenmeter zum 19:16 den Deckel auf eine torarme, aber spannende Partie.

Stefanie de Beer gratulierte dem Rostocker HC nach Spielende fairerweise zum Sieg, sah ihre Mannschaft und sich bei einigen Entscheidungen allerdings benachteiligt. Berlins Trainerin lobte ihre Mannschaft für „ein geiles Spiel“ und meinte qualitative Vorteile auf Seiten des TSC erkannt zu haben.

Dem stimmte Ute Lemmel in ihrer Analyse zu: „Der TSC war die bessere Mannschaft. Doch wir haben eine gute Abwehr gestellt und den Gegner somit in den Griff bekommen. Nicht zufrieden bin ich natürlich mit der Chancenverwertung, 19 Tore sind viel zu wenig. Ich freue mich, dass die Mannschaft sich im zweiten Durchgang selbst aus dem Tal gezogen hat. Nicki Rotfuß ist als unser Kapitän vorangegangen und hat ihr kleines Tief überwunden.“

Im neuen Jahr geht es für den Rostocker HC am 23. Januar weiter. Dann steht das Auswärtsspiel beim Thüringer HC II an.

Ulf Luschas

Spielfilm:
1:2, 3:5, 5:8, 5:10 – 7:10, 7:14, 12:14, 14:14, 19:16

Siebenmeter:
RHC: 3/3, TSC: 5/5

Zeitstrafen:
RHC 6 Minuten – TSC 14 Minuten (3×2 Minuten für Kristina Fodjo/ 60.)

So spielte der Rostocker HC:
Nadine Berger, Lena Clasen, Sara Peters – Julia Hinz, Lara Brezenci (7/3), Liza Johannisson, Janne Petereit, Aida Mittag, Frances Krüger, Lena Bunke (3), Martina Ćorković (3), Pauline Schuck, Jette Köppen, Antonia Fränk (1), Nicole Rotfuß (4), Aenna Schult (1)