Sebastian Heger„Wie eine kaputte Schallplatte“
Rostocker HC unterliegt dem VfL Waiblingen mit 20:29 (10:15)
Die Handballerinnen des Rostocker HC haben auch ihr viertes Spiel der neuen Saison verloren. Am 5. Spieltag der 2. Alsco Handball Bundesliga Frauen mussten sich die Damen von Trainer Dominic Buttig im Heimspiel gegen den VfL Waiblingen mit 20:29 (10:15) geschlagen geben. Mit den Auswärtspartien in Nürtingen und Freiburg stehen den Dolphins schwierige Wochen bevor.
Bereits der Start ins dritte Heimspiel der Saison war so gar nicht nach dem Geschmack der Gastgeberinnen. Vorn fiel den Rostockerinnen nicht viel gegen den massiven Innenblock des VfL und seine schnell rückende Abwehrreihe ein, so dass es einer Einzelaktion von Patrycja Drewnik bedurfte, um nach knapp fünf Minuten den ersten Treffer zu markieren. Da lagen die Delfine bereits mit 1:3 im Rückstand, welcher sich bis zur 11. Minute auf 1:7 erhöht hatte und Dominic Buttig zu seiner ersten Auszeit nötigte.
„Nach dem schlechten Start und dem 1:7- Rückstand fand ich das Spiel recht ausgeglichen. Wir kamen besser rein und fanden vor allem vorn bessere Lösungen“, beschrieb Buttigs seinen Eindruck vom anschließenden Geschehen. Auch wenn seine Mannschaft besser ins Spiel kam, überzeugten vor allem die Gäste aus Baden-Württemberg. Angefangen mit einer starken Torhüterin Sarah Nørregaard Thomsen, die im Abwehrverbund ausgezeichnet agierte, über das Passtempo und die Entscheidungsfindung im Abschluss bis zur nötigen Präzision beim Wurf waren die Waiblingen Tigers überlegen.
Prüfte allein Emma Dubrau für den RHC gleich dreimal im Spiel die Qualität der Torlatte, so zeigte Waiblingens Laura Nagy beim 9:15, wie man den Ball perfekt in den Knick setzt (27.). Der RHC konnte seinerseits zu selten mit schönen Spielzügen, wie beim Tor von Megan Pieth wenige Sekunden zuvor glänzen. Auch ließ man sich von der gesunden Härte, die die großzügige Spielauslegung der Schiedsrichter zuließ, beeindrucken. Beim Stand von 10:15 ertönte der Pausenpfiff.
„Vom Spielverlauf war das eine verdiente Niederlage“, musste RHC-Trainer Dominic Buttig nach Spielende zugeben. „Der Knackpunkt waren die jeweils ersten 10 Minuten beider Halbzeiten, wo wir uns eine große Hypothek abholen.“
In der Tat verschlief seine Mannschaft auch den Auftakt in den zweiten Durchgang. Diesmal dauerte es sogar mehr als fünf Minuten, bis die Zuschauer in Marienehe ein Rostocker Tor bejubeln durften. Erneut war es Patrycja Drewnik, die zuerst traf und das 11:18 besorgte. Ein Rückstand, den die Delfine nicht aufzuholen vermochten. Die von Buttig beschriebene Hypothek war einfach zu groß.
Und einmal mehr war es die Konstanz, die dem Rostocker Spiel fehlte. Durch eigene Fehler ließ man den Gegner uneinholbar davonziehen. Eine Aufholjagd blieb aus. Doch bei aller gegebenen Kritik honorierte das Rostocker Publikum die kleinen Dinge im Handballerinnen-Leben, auf die es aufzubauen gilt: Mit Blick auf die Moral und die Einsatzbereitschaft mussten sich die Rostock Dolphins nichts vorwerfen lassen. Und so gab es immer wieder aufmunternden Szenenapplaus für gelungene Aktionen.
All das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass man an diesem Abend einem Gegner unterlag, der in allen Belangen überlegen war und sich den 20:29- Auswärtssieg redlich verdient hatte.
So sah RHC-Coach Dominic Buttig auch reichlich Punkte, an denen es in den kommenden Tagen und Wochen anzusetzen gilt: „Mit der Abwehr war ich gar nicht mal so unzufrieden, hätte mir aber eine bessere Quote unserer Torhüterinnen gewünscht. Wir müssen aber vor allem an unserer Effektivität arbeiten. Mit unter 35 Prozent Trefferquote kannst Du kein Spiel gewinnen.“
Die lange Verletztenliste (diesmal musste auf Hanna Schulz und Neele Konarske verzichtet werden) lässt Buttig, der mit Melissa Peters, Zoe Helbig und Lilly Worm drei Jugendspielerinnen im Kader hatte, nur halb als Ausrede gelten: „Für uns gilt es, das Optimum aus den personellen Möglichkeiten, die wir haben, herauszuholen, auch wenn wir da Woche für Woche kreativ werden müssen. Ich klinge da vielleicht wie eine kaputte Schallplatte, aber wir müssen einfach Konstanz reinkriegen.“
Die nächste Bewährungschance haben die Rostocker Handballerinnen am kommenden Wochenende bei der SG Nürtingen-Zizishausen. Am Sonnabend um 19.30 Uhr ist man beim Tabellenzweiten zu Gast, der am Wochenende beim Spitzenspiel in Berlin in letzter Sekunde den Ausgleichstreffer zum 36:36 hinnehmen musste, in der Liga aber weiter ungeschlagen ist.