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Marco Schultz

Nürtinger Trauben hängen zu hoch

Rostocker HC unterliegt der SG Nürtingen-Zizishausen mit 27:38 (11:17)

Am Ende war der Gegner zu überlegen: Ohne Punkte sind die Handballdamen des Rostocker HC von ihrer Dienstreise aus Baden-Württemberg zurückgekehrt. Am 6. Spieltag der 2. Alsco Handball Bundesliga Frauen verloren die Dolphins ihr Auswärtsspiel bei der SG Nürtingen-Zizishausen mit 27:38 (11:17). Dennoch war Trainer Dominic Buttig mit dem Auftritt seiner Mannschaft nicht völlig unzufrieden.

Es lief bereits die letzte Spielminute: 21 Restsekunden waren auf der Anzeigetafel zu lesen, als Buttig sein Team noch einmal zu einer Auszeit an die Bank rief. Mit 12 Toren lag der RHC zu diesem Zeitpunkt in Rückstand. Was bei einigen Zuschauern in der gut gefüllten Sporlastic Arena verwundertes Kopfschütteln auslöste, hatte einen simplen Hintergrund: „Ich habe die Auszeit ganz bewusst genommen. Meine Mannschaft hat bis zum Ende gekämpft und sich nicht von der Kulisse beeindrucken lassen. Das wollte ich klarmachen und habe den Spielerinnen gesagt, dass enge Spiele kommen werden, wo wir diese letzte Besprechung brauchen werden“, so die Begründung des Rostocker Coaches nach Spielende.

Seine Worte zum finalen Angriff zeigten tatsächlich Wirkung. Wenn auch etwas glücklich brachte Maya Janßen den Ball, der der SG-Torhüterin Sophie Leenen durch die Finger rutschte, zum 27:38- Endstand im Nürtinger Kasten unter. So endete ein beherzter Auftritt des Rostocker HC zwar mit einer deutlichen Niederlage und doch mit einem Erfolgserlebnis.

Die Delfine fanden deutlich besser in die Partie als in den vorangegangenen Spielen, so dass sich beide Mannschaften bis zur 22. Minute auf Augenhöhe begegneten. Da war beispielsweise die tolle Parade von Lena Clasen gegen Nürtingens Ronja Bühler und das darauffolgende, schöne Anspiel von Jette Köppen auf Merja Wohlfeil, die mit ihrem ersten Treffer auf 9:10 stellte (20.). Dass wenige Sekunden später der Wurf von Emma Dubrau aus zehn Metern nur den Weg an die Latte fand war unglücklich. Den Rostockerinnen blieb nicht nur der Ausgleich verwehrt, viel mehr kam man in den Minuten bis zur Pause insgesamt ins Straucheln.

„Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir eine richtig gute Phase, verlieren aber dann im Angriff ein wenig den Faden“, analysierte Dominic Buttig. Während sich Nürtingens Torhüterin mehrfach auszeichnen konnte, rollten die Gegenstöße auf das Rostocker Tor zu. Nürtingen-Zizishausen setzte bis zum Halbzeitpfiff zu einem 7:2- Lauf an. Beim Stand von 11:17 wurden die Seiten gewechselt.

„Wenn wir Nürtingen im Positionsspiel hatten, konnten wir recht gut gegenhalten“, beschrieb Buttig seine Beobachtungen. „Insgesamt war das eine Steigerung im Vergleich zu den letzten Spielen. Auch wenn wir viele Fehlwürfe hatten, so konnten wir doch die Anzahl der technischen Fehler deutlich senken.“

„Es hat sich aber auch gezeigt, dass uns momentan insgesamt die Breite im Kader fehlt, um das Spiel gegen einen solch starken Gegner enger zu gestalten“, verwies er auf die lange Liste mit sieben verletzten Spielerinnen. Während die Gastgeberinnen, die weiter in der Liga ungeschlagen sind, adäquat wechseln konnten, kam bei den Rostock Dolphins in den letzten Spielminuten Nachwuchstalent Mathilda Hammer zum Einsatz, die ihr Debüt mit dem ersten Bundesligator krönte. Schön von Luica Strack bedient setzte die junge Rechtsaußen ihren Wurf gekonnt ins linke untere Toreck (59.).

Allerdings war die Partie zu diesem Zeitpunkt bereits entschieden. Kam der RHC mit frischem Mut aus der Kabine und konnte den Rückstand zunächst verkürzen, lief nach Patrycja Drewniks Kontertor zum 19:22 (39.) bei den Gästen nicht mehr viel zusammen, so dass man sich am Ende klar und deutlich geschlagen geben musste.

Dass für die Mannschaft von der Ostsee die Trauben in Nürtingen zu hoch hingen und an einem Tag viel zusammenkommen muss, um einen solch starken Gegner wie die SG zu besiegen, ist unbestritten. So erklärte RHC-Trainer Buttig, trotz des deutlichen Ausgangs nicht unzufrieden zu sein: „Wir haben das gezeigt, was wir uns vorgenommen haben, nämlich das Spiel gegen ein Spitzenteam der Liga zu nutzen, um für uns die nächsten Schritte zu machen“, beschrieb Buttigs seinen Eindruck. „Wir hatten richtig gute Phasen, auf die es aufzubauen gilt. Das große Thema bleibt natürlich die Konstanz, das Potential über 60 Minuten auszuschöpfen.“

Am kommenden Wochenende steht eine weitere Auswärtsfahrt auf dem Programm. Am Sonnabend um 19 Uhr werden Buttig und sein Team von der HSG Freiburg erwartet. Im Nachholspiel des ersten Spieltags kommt es dann zum Aufeinandertreffen der beiden Aufsteiger der Vorsaison. Die Breisgauerinnen verloren am Sonnabend knapp mit 33:35 in Solingen und stehen mit 2:8 Punkten auf dem 11. Tabellenplatz.

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