Sebastian HegerOffen wie ein Scheunentor
Rostocker HC verliert gegen die HSG Freiburg mit 32:36 (15:18)
Der Rostocker HC hat es in der Alsco 2. Handballbundesliga verpasst, seinem Ziel „Sportlicher Klassenerhalt“ einen Schritt näherzukommen. Am 24. Spieltag verloren die Dolphins ihr Heimspiel gegen die HSG Freiburg mit 32:36 (15:18). Die Gäste aus dem Breisgau feierten ihren fünften Sieg in Folge und vergrößerten den Vorsprung auf die theoretischen Abstiegsplätze auf uneinholbare 14 Punkte. Die Rostocker Vorsprung beträgt weiterhin sechs Punkte auf Bayer Leverkusen, das Drittletzter ist.
Die Begegnung in der Sporthalle Fiete Reder begann ausgeglichen. Nach vier Minuten nahm sich Anna Franz ein Herz und glich zum 3:3 für den RHC aus. Nur Augenblicke später hatten die Gastgeberinnen die Möglichkeit, in Führung zu gehen. Doch der Angriff führte ins Leere, so dass die „Red Sparrows“ antworten konnten. Sie gingen nicht nur durch Julia von Kampen wieder in Führung, sondern setzten zu einem Sturmlauf an. Sechs Tore am Stück bedeuteten einen schnellen 3:9- Rückstand (8. Spielminute) der Damen von Trainer Dominic Buttig, der diesen auch mit einer frühen Auszeit (7.) nicht verhindern konnte.
Mit eigenen Fehlern im Aufbau, aufkommender Nervosität und großen Lücken in der Defensive machten es die Delfine von der Ostsee ihren Gegnerinnen in dieser Anfangsphase des Spiels allerdings auch viel zu einfach. Es war schließlich Merja Wohlfeil, die sich nicht stoppen ließ, die Durststrecke beendete und auf 4:9 verkürzte (9.). Nun gab auch die heimische Abwehr ein besseres Bild ab, und da das Freiburger Spiel ebenfalls nicht frei von Fehlern war, konnten die Rostockerinnen in Person von Emma Dubrau auf 9:11 verkürzen (16.).
Aus Gastgeberinnen- Sicht war es sicherlich bedauerlich, dass die eine oder andere Angriffsmöglichkeit im weiteren Verlauf nicht den gewünschten Erfolg brachte. Das war umso ärgerlicher, wenn man bedenkt, dass Patryca Drewnik Minuten vor der Halbzeit zweimal auf ein Tor verkürzen konnte. Nach ihrem Tor zum 14:15 (26.) antwortete die HSG umgehend, und nach einer Zeitstrafe plus verwandeltem Siebenmeter gegen sich sowie einem eigenen Verworfenen sah sich der Rostocker HC zur Pause mit 15:18 in Rückstand.
Nach dem Wiederanpfiff dominierten zunächst die Gäste weiter das Geschehen: Saskia Probst, an diesem Abend mit 14 Toren treffsicherste Akteurin, verwandelte in der 41. Minute einen Siebenmeter zum 20:25. Die „roten Spatzen“ aus Freiburg überzeugten durch Tempo und Durchsetzungsvermögen. So fanden sich immer wieder Lücken in der Rostocker Verteidigung. Der RHC mühte sich redlich und stemmte sich gegen die drohende Niederlage.
Zum wiederholten Mal durften die Delfine in Sachen Moral nicht kritisiert werden. Mit dem einmal mehr arg dezimierten Kader stellte man die Bemühungen keinesfalls ein, sondern kam durch Patryca Drewniks Siebenmetertor noch einmal auf 25:28 heran (48.).
„Von der Einstellung her kann ich der Mannschaft keinen Vorwurf machen. Im Laufe der Trainingswoche wurde der Kader immer dünner“, berichtete ihr Trainer Dominic Buttig anschließend. „Ich bin aber kein Freund davon, darüber zu jammern. Du musst einfach das Beste daraus machen.“
Das Beste reichte an diesem Tag allerdings nicht ganz. Zwar warf RHC- Torhüterin Lena Clasen knapp zwei Minuten vor dem Ende den Ball zum 31:33 ins verwaiste Freiburger Tor, doch wer in der Halle auf den entscheidenden Punch gehofft hatte, der das Spiel noch wenden und den Spielverlauf (zugegebenermaßen) auf den Kopf stellen würde, wurde enttäuscht.
Die Dolphins warfen alles in die Waagschale, konnten in einer hitzigen Schlussphase aber gegen clever agierende Gäste das Ruder nicht mehr herumreißen. So gestand ein enttäuschter Rostocker Trainer die Niederlage ein und gratulierte der HSG zu einem verdienten 32:36- Sieg:
„Wir wussten, was uns heute erwartet. Freiburg ist eine andere Mannschaft als wir sie aus der Hinrunde kennen, und natürlich hadern wir mit diesen Phasen im Angriffsspiel, wo uns nicht so richtig etwas gelingen will.“ Den Hauptgrund für das Resultat sah Dominic Buttig allerdings woanders:
„Bei 36 Gegentoren ist das heute unter dem Strich ganz klar eine Baustelle der Abwehr gewesen. Wir haben im Kollektiv viel zu viel Räume, gerade den Tiefenraum freigegeben, wo Freiburg auch immer hinwill“, analysierte er. „Der Gegner kommt mit einem unfassbaren Tempo in das 1:1, wo wir eigentlich doppeln wollten. Das ist uns über 60 Minuten einfach nicht konstant genug gelungen. Oft waren wir diesen einen Schritt zu spät, was auch die Zwei- Minuten- Strafe deutlich zeigen.“
Nach dem Duell der Aufsteiger ist vor dem Duell der Aufsteiger. Am kommenden Wochenende sind die Damen des RHC auswärts bei der SG 09 Kirchhof zu Gast. Die Melsungerinnen schlugen sich am Sonntag beim 16:22 in Leipzig achtbar, haben aber die letzten sechs Spiele verloren und rangieren mit sechs Punkten Rückstand auf den RHC auf dem vorletzten Tabellenplatz. Anwurf in der Stadtsporthalle ist am Sonnabend um 18 Uhr.