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Sebatian Heger

Dolphins fahren auswärts Punkte ein

Rostocker HC gewinnt beim TSV Bayer 04 Leverkusen mit 30:29 (14:15)

Der Rostocker HC hat am 14. Spieltag in der Alsco 2. Handballbundesliga der Frauen einen wichtigen Auswärtssieg gefeiert. Beim 30:29 (14:15)- Erfolg gegen Bayer Leverkusen fuhren die Damen von Trainer Dominic Buttig wertvolle Punkte gegen einen direkten Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt ein.

Es war die letzte Aktion in einer spannenden Begegnung: Rostocks Anna Franz kam frei zum Wurf und überwand die gegnerische Torhüterin. Doch das Tor zählte nicht, da die Spielzeit bereits abgelaufen war. Trotzdem drehte die junge Rückraumakteurin jubelnd ab: Mit hochgestreckten Armen lief sie zu ihren Mitspielerinnen zurück, die bereits auf sie warteten, um ein kleines Jubeltänzchen aufs Parkett der Leverkusener Ostermann- Arena zu legen. Denn zu einem knappen Auswärtssieg hatte es für die Rostock Dolphins trotz allem gereicht. Mit dem 30:29 nahm der Aufsteiger zwei wichtige Punkte beim Bundesligaabsteiger mit und verbuchte zudem den sechsten Saisonsieg.

Der Auftakt in den Handballnachmittag war munter, wenn auch nicht fehlerfrei. Den Gastgeberinnen, die bis dahin nur zwei Saisonsiege auf der Habenseite hatten, wie auch den Gästen war anzumerken, dass sie um die Bedeutung der Begegnung wussten. Die „Werkselfen“ legten als erste die Scheu vor dem Torerfolg ab: Jessy Souza traf zum 1:0, wobei Megan Pieth direkt antwortete (3.). Es entwickelte sich ein unterhaltsames Geschehen auf Augenhöhe, wobei Bayer Leverkusen meist eine Nasenlänge vorn war.

Die Gäste von der Ostsee zeigten zunächst Licht und Schatten. Zwar kam man zu Abschlüssen, doch die Effektivität ließ zu wünschen übrig. Zu selten wurden die Angriffe geduldig ausgespielt, wie beispielsweise beim 4:4 durch Megan Pieth in der 11. Minute. Auch schnelle Angriffe wie beim 6:6 durch Merja Wohlfeil nach langem Pass von Nele Reimer (15.) blieben Mangelware.

Weiter als auf zwei Tore Vorsprung ließen die Dolphins den Gegner dennoch nicht davonziehen. Kurz vor der Halbzeit sorgte Patryca Drewnik für das 14:14 (29.). Leverkusens Jessy Souza traf wenig später zur 15:14- Pausenführung für ihre Farben.   

In der Halbzeitansprache wurde Rostocks Trainer Dominic Buttig dann auch deutlich und forderte mehr Tempo seiner Spielerinnen ein. „In der ersten Halbzeit fehlte uns die Dynamik im Angriffsspiel. Wir haben zu früh die 1 gegen 1- Aktionen gesucht, ohne die Abwehr vorher in Bewegung zu bringen,“ so Buttig durchaus kritisch nach Spielende. „Dadurch wirkte es sehr abgehackt und auch statisch. Was die Dynamik vorne angeht, wurde es in der zweiten Halbzeit besser. Dafür haben wir im Abwehrspiel ein paar Federn gelassen.“

Die beschriebene Besserung im Rostocker Spiel ließ nach Wiederanpfiff aber (noch) auf sich warten. Bayer 04 kam besser aus der Kabine und ließ sich auch von einem vergebenen Strafwurf nicht beirren. Beim Tor aus sieben Metern durch Britt van der Baan war man erstmals mit drei Toren in Führung (19:16/ 38.). Dieser Vorsprung hatte auch beim 21:18 durch Sophia Cormann Bestand (42.).

Ein taktischer Schachzug sollte nun aus Rostocker Sicht die Wende bringen. Buttig stellte auf eine offensive 3:3- Deckung um, die den Gastgeberinnen letztendlich den Zahn ziehen sollte. Für den geneigten Zuschauer boten sich teils chaotische Spielszenen. Leverkusen, das wiederholt mit einer zweiten Kreisläuferinnen agierte, probierte es mit kraftvollen Attacken aus dem Zentrum, welche die Rostockerinnen geschickt zu stören wussten. Hinzu kam eine, zu großer Form auflaufende, Lena Clasen im Rostocker Tor. Im Ganzen schlug sich das Spielglück aber auf die Seite der Rostockerinnen:

Tor um Tor näherte man sich an, und etwas glücklich fand der abgefälschte Wurf von Anna Franz den Weg zum 21:20 ins Leverkusener Tor (43.). Dann parierte Lena Clasen einen Siebenmeter, und im Gegenzug wurde Hanna Strack wunderbar von Patryca Drewnik angespielt. Mit ihrem ersten Tor sorgte die RHC- Kreisläuferin für den erneuten Ausgleich (46.).

Und es sollte noch besser werden. Lena Clasen hielt einen freien Wurf von Dana Gruner, und trotz Unterzahl erzielte Finja Wolf im folgenden Angriff per Schlagwurf das 21:22 für den RHC. Es war die erste Führung der Gäste in dieser Partie, die auch nicht mehr hergegeben wurde. Am Ende war es ein 6:0- Lauf der Delfine, der von Nele Reimer per Siebenmeter gekrönt wurde (49.) und die Vorentscheidung herbeiführte. 70 Sekunden vor dem Ende gelang Hanna Strack mit ihrem dritten Treffer das 27:30. Bayer Leverkusen gelang nur noch etwas Kosmetik, und das Spiel endete mit der eingangs beschriebenen Szene.

„Der Gamechanger aus meiner Sicht war die Umstellung auf die 3:3- Abwehr. So zwangen wir Leverkusen zu mehr Fehlern und kamen zu Ballgewinnen. Erst dann gelang es uns im Angriff mal richtig aufzudrehen. Da haben die Mädels dann gezeigt, was sie eigentlich schon 45 Minuten lang hätten spielen können. Am Ende gehen uns ein bisschen die Körner aus. Durch die Manndeckung von Bayer wird es hinten raus noch einmal spannend, aber ich denke, dass wir trotzdem von einem verdienten Sieg sprechen können.“

Dominic Buttigs Fazit nach dem Schlusspfiff war nicht ohne Kritik am Auftritt seiner Mannschaft, wobei er sich verständlicherweise mit dem Ausgang der Partie zufrieden zeigte und Lob für die Moral übrighatte: „Es war sehr, sehr gut, dass meine Spielerinnen auch beim 3- Tore- Rückstand den Kopf nicht in den Sand gesteckt haben, sondern weiter gekämpft und an sich geglaubt haben.“

Mit dem Heimspiel am kommenden Sonnabend gegen den ESV Regensburg wäre die Hinrunde für die Rostock Dolphins theoretisch beendet. Da aber das ausgefallene Spiel gegen den HSV Solingen- Gräfrath am Mittwoch, den 4. Februar nachgeholt wird, endet auch erst dann die erste Halbserie nach dem Wiederaufstieg.

Somit wartet auf das Rostocker Handballpublikum ein Heimspiel- Dreierpack: Am 24.1. um 18.30 Uhr gegen Regensburg, am 31.1. 18.30 Uhr zum Rückrundenauftakt gegen den HC Rödertal und das Nachholspiel gegen Solingen am 4.2. um 19.30 Uhr.

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