Rostocker HC II – Berliner TSC 30:29 (14:14)

Rostock Es sind noch 8 Sekunden auf der Uhr. Torhüterin Lucy Schelske hatte gerade wieder einen Gegentreffer verhindert, auf der Anzeigetafel steht ein 29:29 und Marc Hünerbein nimmt seine letzte Auszeit. Genau 8 Sekunden bleiben seinem jungen Team noch, um die große Überraschung zu schaffen. Als der Ball freigegeben wird, gibt es zwei Pässe. Dann hat Leonie Kaden den Ball, setzt sich durch und trifft. Die Schlusssirene geht im Jubel unter.

Gerade einmal 17,06 Jahre ist das Durchschnittsalter des Juniorteams des Rostocker HC an diesem Tag. „Viele Mädchen waren in dieser Woche von der Schule aus auf ihrer Abschlussfahrt, aufgrund eines Streiks in Italien kamen einige erst heute Nacht zurück, zwei Spielerinnen sind immer noch nicht wieder in Rostock“, berichtet der Trainer. Da diese Fahrt bereits längerfristig bekannt war, hatten die Rostockerinnen beim TSC eine Spielverlegung beantragt, dieser hatte der Berliner Verein aber nicht zugestimmt.

Und doch hatten die bisher sieglosen Rostockerinnen (0:6 Punkte) sich vorgenommen, alles dafür zu tun, dem bisher ungeschlagenen Drittligaabsteiger (6:0) das Leben schwer zu machen.

Der erste Treffer der Partie gehörte den Gastgeberinnen, die auch beim 3:1 (4.) immer noch in Führung lagen. Aber auch der TSC zeigte, warum er in der Tabelle so weit oben steht, überzeugte mit schnellem, geradlinigen Handball. Dem setzte das junge Rostocker Team vor allem Kampfgeist entgegen. So entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, bei dem die Ostseestädterinnen zumeist vorlegten und die Gäste nachzogen. Es war im ersten Durchgang auf Rostocker Seite immer wieder die B-Jugendliche Augusta Gerner, die Verantwortung übernahm, dahin ging, wo es wehtut und vor allem immer wieder erfolgreich abschloss. Insgesamt 7 Treffer steuerte die 16-jährige in der gesamten Partie für das Rostocker Torekonto bei. Beim Stand von 14:14 wurden die Seiten gewechselt.

Wer dachte, dass im zweiten Durchgang die Kräfte der Gastgeberinnen nachlassen würden, sah sich getäuscht. Die Rostockerinnen legten weiterhin vor, der TSC konnte immer wieder ausgleichen.

In der 47. Spielminute stand es 22:22. Dann fing die RHC-Abwehr um Torhüterin Lucy Schelske, gegen die der Favorit nur zwei seiner 5 Strafwürfe verwandeln konnte, drei Berliner Angriffe in Folge ab und zog auf 25:22 (51.) davon. TSC-Trainerin Stefanie de Beer nahm eine Auszeit, doch auch der nächste Berliner Angriff verpuffte. Im Gegenzug erhielt der RHC einen berechtigten Strafwurf und der TSC eine Zeitstrafe. Die Berliner Trainerin, die bereits mehrfach ihren Unmut über die Schiedsrichter gezeigt hatte, echauffierte sich dermaßen, dass sie ebenfalls eine Zeitstrafe und nach dem folgenden Wortwechsel die rote Karte erhielt.

Eine ließ sich von der ganzen Aufregung nicht beeinflussen. Luica Strack, mit 9 Treffern erfolgreichste Torschützin auf der Fläche, schnappte sich den Ball und verwandelte eiskalt zum 26:22 (51.) Eine Vorentscheidung war dieses jedoch nicht. Die Gäste trafen in doppelter Unterzahl zum 23:26. Während sich bei den Rostockerinnen nach dem 27:23 (53.) ein paar kleine Fehler einschlichen, nutzten die Hauptstädterinnen ihre Gelegenheiten jetzt konsequent. Die Folge war das 27:27. Mit einem erneuten Strafwurf brachte Luica Strack ihr Team wieder in Front, doch der TSC erzielte zwei Treffer in Folge und führte so mit dem 29:28 erst zum zweiten Mal in der Partie (59.). Erneut war es Luica Strack, die mit einem Siebenmeter umgehend zum 29:29 ausgleichen konnte. Dann kamen der letzte Berliner Angriff und die eingangs geschilderten letzten 8 Sekunden eines dramatischen Spiels, das wahrscheinlich niemand in der Halle so schnell vergessen wird.

„Wir können nur spannend“, sprudelte es aus einem erschöpften Marc Hünerbein heraus. „Ich bin unglaublich stolz auf die kämpferische Leistung meiner Mannschaft. Wir haben uns endlich einmal selbst belohnt.“

Bereits am kommenden Samstag muss sein Team wieder ran. Zum Auswärtsspiel tritt man dann beim neuen Tabellenzweiten Grün Weiß Werder an.

Pressemitteilung

Spielfilm:
1:0, 1:1, 3:1, 5:3, 9:6, 11:11, 14:13, 14:14 – 15:16, 18:16, 19:19, 22:22, 26:22, 27:23, 28:29, 30:29

Siebenmeter:
RHC: 13/10, TSC: 5/2

Zeitstrafen:
RHC: 4 Minuten, TSC: 18 Minuten (incl. rote Karte)

So spielte der Rostocker HC:
Lucy Schelske, Kiana Zidorn – Greta Zippel (2), Sally Behrens (2), Augusta Gerner (7/3), Emily Lange, Jette Burghardt, Clara Patzner (2), Emilia Schultz (1), Emilia Reimers (1), Luica Strack (9/7), Leonie Kaden (3), Merle Rachold, Gretchen Lührmann (3)