Dolphins starten ins Abenteuer 3. Bundesliga

Rostocker HC empfängt zum Saisonstart die HSG Mönkeberg- Schönkirchen

Rostock Die Zeit des Wartens ist vorüber. Exakt 32 Wochen nach dem letzten Spiel der abgebrochenen Oberliga- Saison treten die ersten Frauen des Rostocker HC wieder zu einem Pflichtspiel an. Nach dem Aufstieg und der damit verbundenen Rückkehr in die 3. Bundesliga erwartet man zum Auftakt mit der HSG Mönkeberg- Schönkirchen einen Mitaufsteiger.

Die Gäste belegten nach Abbruch ihrer Spielzeit in der Oberliga Hamburg/ Schleswig- Holstein den zweiten Tabellenplatz und haben sich im Sommer mit mehreren Spielerinnen der Firebirds der HSG Jörl- Doppeleiche- Viöl verstärkt. Als Saisonziel hat man einen „gesicherten Mittelfeldplatz“ ausgegeben.

Hört man sich im Rund der Fiete- Reder- Halle in Rostock- Marienehe um, dann fällt immer wieder das Wort „Klassenerhalt“ als ultimatives Vorhaben. Vor dem ersten Heimspiel (Sonnabend, 17. Oktober um 17 Uhr) berichtet Ute Lemmel über den Verlauf der Vorbereitung und gibt einen Ausblick auf die neue Saison.

Am Sonnabend beginnt die neue Spielzeit. Was erwartet die Dolphins in der 3. Liga?

Das ist gar nicht so einfach zu beantworten. Es wird interessant sein zu sehen, wie die Teams aus der ungewöhnlich langen Pause und der ebenso langen Vorbereitung kommen. Für alle, auch für uns, stellt sich die Frage: „Wo stehen wir wirklich?“ Wir müssen wohl erst einmal drei, vier Spiele abwarten, um eine klare Aussage treffen zu können. Das Spiel in der 3. Liga hat in den letzten Jahren an Dynamik gewonnen. Diese Entwicklung konnten wir auch in der Oberliga beobachten. Die Mannschaft muss sich auf druckvolle gegnerische Angriffsreihen gefasst machen. Insgesamt wird geradliniger und strukturierter agiert werden. Das stellt uns natürlich vor eine große Herausforderung.

Im Hinblick auf die kommenden Herausforderungen: Wie wurde die Vorbereitung gestaltet?

Wie gesagt, die Vorbereitung war viel länger als gewöhnlich. Wir mussten die Intensivität anders dosieren und Akzente anders setzen. Gerade in den letzten Wochen gestaltete es sich für uns schwierig, Testspielgegner zu finden, da der Spielbetrieb für viele früher als bei uns wieder angefangen hat. Nach dem Trainingslager auf Usedom haben wir das Turnier in Schwerin gespielt. Und gerade die Vergleiche in Hamburg am vorletzten Sonntag gegen die direkten Ligakonkurrenten Alstertal und Pfeffersport sowie den Oberligisten Stockelsdorf waren wichtig.

Bei dem Turnier wurde gegen die beiden Drittligisten gewonnen, gegen den Viertligisten aber verloren…

Die Ergebnisse waren erst einmal zweitrangig. Viel wichtiger war uns die Wettkampfhärte, die man im Training ja nur schlecht simulieren kann. Beim Spiel gegen Stockelsdorf sahen die ersten 12, 13 Minuten gut aus. Danach haben wir uns in Einzelaktionen verloren. Man konnte sehen, dass unser Team Potential hat, aber auch, dass Teamstärke und Zusammenhalt wichtig für uns sind. Wir müssen diszipliniert agieren, ansonsten wird es schwer.

Seit dieser Saison trainiert die Mannschaft viermal wöchentlich. Welche Möglichkeiten ergeben sich dadurch?

Das stimmt, der Freitag ist als Trainingstag dazu gekommen. Für unsere Schüler kommen sogar noch die Frühtrainingseinheiten dazu. Vor dem Aufwand, den die Spielerinnen betreiben, muss man den Hut ziehen. Wir dürfen nicht vergessen, dass alle nebenbei arbeiten, studieren oder noch zur Schule gehen. Mit unserem Partner MedPrevio und unserem Physiotherapeuten Benny Hostmann haben wir den Spielerinnen ihre körperlichen Handicaps, aber natürlich auch ihre Möglichkeiten aufgezeigt. Nach diesen Erkenntnissen bauen wir das Training auf. Daraus ergeben sich ganz individuelle und auf die Position zielende Maßnahmen. Unser Fokus lag schon immer auf der Kraft und Kondition. Diese sind wichtiger denn je. Wir müssen unsere Stärke, das Tempospiel, noch mehr forcieren. Dafür muss die Athletik vorhanden sein. Durch die Einheit am Freitag haben wir nun die Möglichkeit, noch einmal individuell einzelne Bausteine unseres Spiels zu trainieren.

Mit Martina Ćorković und Janne Petereit hat der RHC im Sommer zwei Neuzugänge vermeldet. Wie schätzt Du die beiden ein?

Mit Josephine Krebs haben wir noch einen dritten bzw. einen halben Neuzugang. Josie ist durch ihre Ausbildung beim Zoll im letzten Jahr nicht kontinuierlich in Rostock gewesen. Trotzdem ist der Kontakt nie abgebrochen. Wir freuen uns, sie wieder bei uns zu haben, auch wenn ihr noch Training und Spielpraxis fehlen. Durch die Knieverletzung von Julia Böhme ist Josie für die Kreisposition noch einmal wichtiger geworden. Das gilt auch für Janne. Sie wird in der Mannschaft gut angenommen, hat aber auch ein Jahr nicht Handball gespielt. In Schwerin hat sie bereits Erfahrungen in der 3. Liga gesammelt und wird uns mit Sicherheit helfen. Martina ist im Sommer aus Kroatien zu uns gekommen. Mit ihren Fähigkeiten und ihrer Ausstrahlung ist sie ein absoluter Gewinn. Sie kann die anderen mitreißen. Viele Spielerinnen gucken sich gerade im Training viel bei ihr ab. Durch ihr Studium vermittelt sie einen vorbildlichen Umgang mit den Übungen während der Einheiten: ganz bewusst und in Ruhe.

Du hast die Verletzung von Julia Böhme bereits angesprochen. Wie sieht die personelle Situation vor dem Punktspielauftakt aus?

Neben Jule hat es in der Vorbereitung auch Alex Rohde und Rieke Anderson mit Kreuzbandrissen erwischt. Für alle drei ist das sehr schade, zumal sie bis zur Verletzung einen tollen Eindruck hinterlassen haben. Bei Vanessa Bladt, die sich im Spiel des Juniorteams eine Fußverletzung zugezogen hat, wissen wir noch nicht genau, wie lange sie ausfällt. Gleiches gilt für Lena Bunke, die im Training mit dem Fuß einer Abwehrspielerin Bekanntschaft gemacht hat. Wir müssen sehen, ob es für das Wochenende reicht. Für die Mannschaft gilt es, die Ausfälle zu kompensieren. Wir haben einen großen Kader. Die Damen müssen sich noch mehr selbst pushen. Noch einmal, wenn wir als Team stark und diszipliniert auftreten, ist das zu schaffen.

Du hast unzählige Spielerinnen im Jugend- und Erwachsenenbereich trainiert. Wen trainierst Du eigentlich lieber? Eine Nachwuchs- oder eine Frauenmannschaft?

(lacht) Das sind zwei verschiedene Paar Schuhe- oder sagen wir Herausforderungen. Das eine sind die Hackenschuhe, das andere die Gummistiefel. Im Jugendbereich geht es darum, das kleine Handballeinmaleins zu lehren. Im Frauenbereich muss das Gelernte dann zu einem großen Ganzen zusammengesetzt werden. Beides hat absolut seinen Reiz.

Letzte Frage: In der dritten Liga stehen Dir wieder drei grüne Karten für eine Auszeit zur Verfügung. Wirst Du nun vermehrt davon Gebrauch machen?

Für mich macht eine Auszeit eigentlich meist früh im Spiel Sinn, wenn ich den Eindruck habe, dass der Gegner uns vor zu große Probleme stellt. Natürlich kann man auch in einer engen Schlussphase den Timeout einsetzen. Unser Spiel ist allerdings auf ein schnelles Umkehrspiel ausgelegt, so dass ich mich schwer damit tue, vorzeitig die grüne Karten auf den Tisch des Kampfgerichts zu legen. Und verletzten möchte ich auch niemanden.

Das musst Du bitte noch erklären…

Ich war vor Jahren bei einem Heimspiel kurz davor, dem Kampfgericht meine Auszeitkarte zu übergeben. Dieses griff danach, doch plötzlich waren wir in Ballbesitz. Ich riss die Karte zurück, und schnitt dem Zeitnehmer mit der scharfen Kante der Laminierung in die Hand. Das gilt es fortan zu verhindern. Aber im Ernst, solange ich den Eindruck habe, von der Bank aus Einfluss nehmen zu können, ist die Auszeit nicht dringend notwendig. Durch die Möglichkeit einer dritten Auszeit im Zuständigkeitsbereich des DHB, also ab der dritten Liga, ergeben sich auch für mich hier neue Möglichkeiten.

Das Gespräch führte Ulf Luschas.


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